Dialog im Dunkeln

Am östlichsten Ende der wunderschönen Hamburger Speicherstadt befindet sich die Ausstellung „Dialog im Dunkeln“. Für einen Sehenden eine absolute Herausforderung. In stark abgedunkelten Räumen versetzt man die Besucher in die Lage von blinden Menschen. Situationen des täglichen Lebens können dort von Besuchern nur durch Hören, Schmecken, Tasten, Riechen und das Vertrauen in einen blinden Führer bewältigt werden. Teile des Programmes sind zum Beispiel eine geplante Bootsfahrt, ein Spaziergang im Park und der Besuch der Dunkel-Bar. Der Zugang zu dieser Ausstellung ist nur im Rahmen einer Führung möglich.

Im Jahr 1988 entstand die Idee der Ausstellung „Dialog im Dunkeln“. Zwei Millionen Besucher wurden bisher weltweit in den Ausstellungen dieser Art registriert. In der Speicherstadt gibt es den „Dialog im Dunkeln“ er seit dem Jahr 2000. Für einen Sehenden ist es unvorstellbar, wie es ist, blind zu sein, ein Leben ohne Licht, Farben und Formen führen zu müssen. In unserem Alltag ist die Blindheit sprachlich eher negativ besetzt. Man läuft zum Beispiel „blind“ in eine Katastrophe, ist von „blinder Wut“ getrieben oder gar mit „Blindheit“ geschlagen. So scheint es, als sei die Blindheit ein Synonym für Orientierungslosigkeit und Fehlerhaftigkeit. Der „Dialog im Dunkeln“ soll dieser Grundhaltung vieler Menschen entgegenwirken. Hier wird einem klar gemacht, das an die Stelle des nicht Sehens ein anderes Sehen tritt. Der Alltag bekommt eine andere, nicht visuell fixierte Qualität.

Durch den „Dialog im Dunkeln“ beginnt man zu verstehen, dass Dinge nicht nur schön sind, weil sie nett aussehen. Die Wahrnehmung wird um ein Vielfaches bereichert, die Oberfläche eines Tellers, der Lärm in der Gaststätte, die Windverhältnisse in der Stadt rücken mehr ins Zentrum. Beim „Dialog im Dunkeln“ werden den sehenden Besuchern die Augen geöffnet. Den Besuchern wird klar, dass die Welt der Blinden und Sehbehinderten bei weitem nicht ärmer, sondern einfach nur anders ist.

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