Videoüberwachung Reeperbahn

St. Pauli, die Reeperbahn, ist ein Begriff weltweit. Wie in jeder Hafenstadt ist das Pflaster um den Hafen herum ein raues, so auch in Hamburg. Dennoch hat sich in dem Stadtteil in den letzten 20 Jahren doch eine „Verbürgerlichung“ vollzogen, haben sich Theater wie das „Schmidt`s etabliert, lockt das Operettenhaus mit einem eher konventionellen Programm. Das heißt, dass auf St Pauli viele Welten aufeinander treffen, was sicher auch einen Teil seines Reizes ausmacht.

Jedoch soll, auch im Zusammenhang mit der neuen HafenCity, die als Touristenmagnet erster Ordnung wirkt, dem neuen Kreuzschiffterminal, eine betuchte Klientel angelockt werden. Darum hat Hamburg bzw. die Innenbehörde vor 3 Jahren eine Maßnahme ergriffen, die in Deutschland im öffentlichen Raum noch eher ungewöhnlich ist. Und zwar wird die gesamte Reeperbahn permanent per Video überwacht, mit der Intention, dadurch Straftaten schon im Vorfeld zu verhindern. Der Gedanke ist ja nicht neu, so hat Hamburg auch in allen Räumen und Fahrzeugen des HVV (Nahverkehr) Videoanlagen installiert, da die Brutalität, vor allem unter Alkoholeinfluss, erschreckende Ausmaße angenommen hat.

Darüber, welche Verbrechen dadurch vereitelt werden konnten, kann man grundsätzlich nur spekulieren. Dennoch kann ein Vergleich der Anzahl der registrierten Delikte auf St. Pauli vor bzw. nach Einführung der Videoüberwachung einen gewissen Anhaltspunkt geben, wie effizient bzw. gerechtfertigt eine solche Maßnahme ist. Denn natürlich ist es lange nicht jedem Besucher der „Amüsiermeile“ unbedingt Recht, bei seinem Bummel gefilmt zu werden.
Interessant ist die Entwicklung der einzelnen Untergruppen von Delikten. So wurden im Jahr vor Einführung der Videoüberwachung 182 gefährliche bzw. 369 einfache Körperverletzungen registriert. Drei Jahre später, 2010, wurden für diese Delikte 239 beziehungsweise 646 Fälle ausgewiesen. Dies wurde in einem Bericht der Innenbehörde veröffentlicht. Eine andere Untergruppe, die Drogenkriminalität, sei jedoch im Bereich Reeperbahn um 38 Prozent zurückgegangen. Wie weit also von einem Erfolg der Maßnahme gesprochen werden kann, ist dahin gestellt. Körperverletzungen ereignen sich häufig im Affekt, sind nicht geplant. Dagegen sind Drogentransaktionen geplante, bei „Gefahr“ sofort auf andere Stadtteile umzuleitende Aktivitäten. Ob das Sicherheitsgefühl der Besucher also gestiegen ist, wäre sicher in einer Langzeitanalyse zu untersuchen.
Einen gewissen „Stop“ Effekt haben, wie Untersuchungen, zum Beispiel in England, zeigen, aber dennoch, es entsteht generell durchaus ein Gefühl, dass da jemand „aufpasst“. Das Thema Alkohol ist sicher hier das am schwierigsten zu handhabende, denn St. Pauli ist neben der Prostitution traditionell mit Alkohol, Rausch, sich einmal gehen lassen, verbunden. Es bleibt also viel zu tun auf dem Kiez!

Foto: thinkstockimage

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